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Nach Willy Brandt kamen Vogel, Engholm, Scharping, Lafontaine, Schröder, Müntefering, Platzeck und jetzt Beck. Sieben Vorsitzende in 19 Jahren verschliss die SPD. Dass ausgerechnet Matthias Platzeck das Amt am kürzesten bekleiden würde, überraschte alle und schockierte viele. Denn als der von Manfred Stolpe geförderte Brandenburger Ende 2005 zum SPD-Chef gewählt worden war, machte ihn sein Traumergebnis von 99,4 Prozent der Stimmen zum großen Hoffnungsträger -- und das, obwohl der Ostdeutsche zu diesem Zeitpunkt erst 10 Jahre der Partei angehörte. Arzt-Sohn Platzeck stammt aus bürgerlichen Verhältnissen. Als überzeugter Sozialist durchwandert der begabte Schüler FDJ und schweren Herzens die NVA. In Ilmenau studiert der gebürtige Potsdamer Kybernetik. Ganz ähnlich wie Angela Merkel lebt Platzeck in einer DDR-Nische, ohne bei der Obrigkeit groß anzuecken, was gerade für Naturwissenschaftler leichter möglich scheint. Seine Seele verkauft der strategisch denkende Ostdeutsche nie, eine Stasi-Mitarbeit lehnt er strikt ab. Zudem entfremdet sich Platzeck spätestens nach dem Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan vom real existierenden Sozialismus. Dem Brandenburger Autoren-Duo Mara-Metzner verdanken politisch Interessierte ein erhellendes Sachbuch über den 146-Tage-Vorsitzenden. Solide recherchiert folgt die Dramaturgie linear Platzecks Biografie -- auch wenn der Paukenschlag seines Rücktritts vom SPD-Vorsitz in der kurz vorher erschienenen Erstausgabe kein Thema sein kann. Dennoch lohnt sehr, ein politisches Leben zu bestaunen, das es so nur in Deutschland geben kann. Und da einmal mehr deutlich wird, wie zügig Ostdeutsche im vereinten Land ins Zentrum der Macht vorstoßen können, steht die lesenswerte Biografie auch für ein Stück vollendete Einheit. Hätte Brandenburgs emsiger Ministerpräsident die nötige politische Kragenweite besessen, Kanzler zu werden? Diese Frage bleibt Platzecks angeschlagener Gesundheit wegen unbeantwortet. Für die SPD indes bleibt zu hoffen, dass die Vorsitzenden künftig nicht mehr so oft wechseln wie die Elbe über ihre Ufer tritt. Denn wenn Dämme brechen, heißt es auch für eine große Volkspartei: Land unter. --Herwig Slezak Quelle: Aus der Amazon.de-Redaktion
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