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Auf die Beschönigung der Wirklichkeit legte der spanische Hofmaler Francisco de Goya (1746-1828) keinen groĂen Wert. Könige zeigte er eher einsam im Kreise der Familie, GrĂ€finnen und Herzöge malte er in fast fratzenhafter HĂ€sslichkeit. Die Grauen des Krieges stellte er ebenso ungeschönt dar wie den Aberglauben der Landbevölkerung oder die Schrecken der Inquisition. Sein berĂŒhmtes Blatt Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer wurde zu einer Art Ikone der AufklĂ€rung -- und ist es bis heute geblieben. Die ganze Bandbreite von Goyas zwischen Tradition und neuer Zeit angesiedeltem Kosmos zeigt der Band Goya, Prophet der Moderne, der auf rund 170, mit klugen Texten erlĂ€uterten Tafeln berĂŒhmte GemĂ€lde und Graphiken wie Die nackte Maja (1800) oder die Caprichos neben bisher (zumeist völlig zu Unrecht) unbekannte Bilder stellt. Da betrachten Kannibalen menschliche Ăberreste, schweben Bischöfe auf wackligen Seilen ĂŒber ihrem Volk, behexen phantastische Schwingenwesen mit grausigen Greisinnen Betende, bekĂ€mpfen sich Duellanten bis aufs Blut, ermordet ein Bandit eine hilflose Frau oder lĂ€sst eine fröhliche Damenrunde einen ĂŒberaus lebensecht wirkenden Hampelmann durch die Luft wirbeln -- letzteres ein besonders geistreicher Beitrag Goyas zum geistlosen Hofleben und zum Geschlechterkrieg. Dem GegenĂŒber huldigen die barocken Kartons zu Tapisserien wie âDer Sonnenschirmâ (1777) einer scheinbar vollkommenen Idylle. Besonders gelungen prĂ€sentiert sich diese Doppelbödigkeit auf den SelbstportrĂ€ts, die einen skeptischen, aber auch einen der Welt zugewandten KĂŒnstler mit vielen Facetten zeigen. Goya, Prophet der Moderne ist die gebundene Fassung des Ausstellungskatalogs zur wohl umfangreichsten Schau mit Werken des Malers in Deutschland nach 1945 in den Staatlichen Museen zu Berlin. Wer es also nicht geschafft hat, die GemĂ€lde, Zeichnungen und Stiche im Original zu sehen, der kann sich mit diesem in hervorragender QualitĂ€t gedruckten Band anschaulich davon ĂŒberzeugen, warum Goya als einer der bedeutendsten Maler Spaniens -- und wohl auch der Welt -- gelten muss. --Thomas Köster Quelle: Aus der Amazon.de-Redaktion
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