|
Im Silicon Valley schlug die Geburtsstunde der digitalen Revolution. Hier wurden die ersten Computer zusammengelötet, hier entstanden die ersten Firmen, die auf die neue Technologie setzten, als ihre elektronischen Maschinen nur lange Zahlenreihen addieren und LĂ€mpchen blinken lassen konnten. Das Silicon Valley und diese GrĂŒnderzeit der Computertechnologie sind auch die Geburtsstunde eines Unternehmens-Mythos: der Garagenfirma. In Vaters Garage, so will es die Legende, löteten und schraubten nickelbebrillte Highschool-Studenten nach Vorlesungsende an ihren Heimcomputern, nicht ahnend, dass sie damit den Grundstein fĂŒr einen kometengleichen Aufstieg legten. Diese Version mag fĂŒr den Rechtsanwaltssohn und PrivatschĂŒler Bill Gates zutreffen, nicht aber fĂŒr seinen ewigen Konkurrenten, den Apple-GrĂŒnder Steve Jobs. Dessen Geschichte ist ungleich wilder, unangepasster. Sie verbindet den Mythos des Outlaws mit dem des ComputerrevolutionĂ€rs, denn Steve Jobsâ Karriere begann nicht in der vĂ€terlichen Garage, sondern bei Drogenexperimenten in den Hippie-Hochburgen Kaliforniens, bei New-Age- und Zen-Begeisterung und mit einem ausgedehnten Indientrip im Bettelgewand. Jobs kokettierte nicht mit dem Image eines Hippies, er war einer. Langhaarig, zottelbĂ€rtig, barfuss und in zerschlissenen Jeans nahm er seine ersten GeschĂ€ftstermine wahr, von seiner Idee besessen bis zur Renitenz. Nicht nur einmal hatte Jobs allein deswegen Erfolg, weil er sich weigerte, das BĂŒro seines GesprĂ€chspartners zu verlassen, bevor der nicht seinem Anliegen zugestimmt hatte. Zusammen mit seinem kaum weniger verschrobenen Kumpel Steve Wozniak grĂŒndete Jobs das Unternehmen Apple, das nicht zuletzt deshalb so hieĂ, weil man im Telefonbuch vor Atari stehen wollte. Wozniak war der besessene Bastler, Jobs aber der eigentliche Kopf des Unternehmens, nicht zuletzt seiner Begabung wegen, situativ, aus der Kraft des Augenblicks heraus, weitreichende Entscheidungen zu treffen. Das Buch von Jeffrey Young und William L. Simon erzĂ€hlt die Geschichte eines auĂergewöhnlichen Unternehmens, vor allem aber die eines auĂergewöhnlichen Menschen, der charismatisch und willensstark, hyperaktiv und egomanisch seinen Weg ging. Ein SturschĂ€del, der die boomende Firma Apple verlieĂ, um sein neues Unternehmen NeXT zu grĂŒnden, der damit grandios scheiterte, um mit einer weiteren Hippie-Firma namens Pixar das FilmgeschĂ€ft neu zu definieren: digital. Und der, als Interims-CEO wieder zurĂŒck bei Apple, dann selbiges mit dem Musikbusiness tat: Mit sicherem GespĂŒr dafĂŒr, was der Kunde wollte â nĂ€mlich die gröĂtmögliche Freiheit beim Musikhören -- entstand unter Jobs ein Produkt, das Kult wurde, aber eigentlich das materielle Back-end einer Vertriebskette ist, die bei iTunes beginnt: der ipod. âWhatâs next?â, das ist die groĂe Frage, die das Buch aufwirft -- fĂŒr welche Revolution wird der Name Steve Jobs als NĂ€chstes stehen? Young und Simon erzĂ€hlen die Lebensgeschichte dieses auĂergewöhnlichen Mannes mit GespĂŒr fĂŒr seinen Nonkonformismus und seine rastlose Getriebenheit. Trotzdem erscheint es dem Leser, als bliebe der Macher Steve Jobs ein Geheimnis, als wĂŒrde ihn niemand so richtig kennen, auch die beiden Autoren nicht. Das Buch erzĂ€hlt ein MĂ€rchen von begnadeten Technikern, glĂŒcklichen ZufĂ€llen und wahrer Ăberzeugungskraft. Vor allem aber von dem Feuer, das in Menschen brennen kann. -- Winfried Kretschmer Quelle: Aus der Amazon.de-Redaktion
|